
Digitale Optimierungsplattform für Fernwärmesysteme
Biomasse- und Nahwärmenetze sind ein wichtiger Baustein der Energiewende. Sie nutzen regionale Ressourcen, stärken die Wertschöpfung vor Ort und können Wärme klimafreundlich bereitstellen. Damit solche Netze effizient und emissionsarm laufen, müssen Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Verbrauch gut zusammenspielen und zwar nicht nur „nach Gefühl“, sondern datenbasiert und vorausschauend. Genau hier setzt DOPPLER an.
Warum Optimierung wichtig ist
Viele Fernwärmesysteme werden hauptsächlich nach dem aktuellen Bedarf geregelt. Das ist robust, führt aber oft zu ungünstigen Betriebspunkten, wie unnötig hohe Vorlauftemperaturen, erhöhte Verteilverluste, stärkere Belastung von Komponenten und in Summe geringere Effizienz. Außerdem entstehen Spitzenlasten, die zu Überdimensionierung (und höheren Investitionskosten) führen können. DOPPLER zeigt, wie Digitalisierung und Demand-Response helfen, diese Effekte zu reduzieren, ohne Komforteinbußen für Kund:innen.
Was DOPPLER erreicht hat
Im Projekt wurde eine integrierte Plattform aufgebaut, die Planung, Betrieb und Optimierung von Fernwärmenetzen zusammenbringt, inklusive Einbindung von Endkund:innen. Kern ist ein digitaler Zwilling („digitales Abbild“ des Netzes), der reale Messdaten mit Simulation und Optimierung verbindet. Das Projekt hat damit demonstriert, dass modellbasierte Echtzeit-Optimierung in der Praxis funktioniert, wenn Datenanbindung, Sicherheitslogik und Nutzerkommunikation sauber umgesetzt sind.

Zentrale Ergebnisse im Überblick:
- Digitale Zwillinge wurden für mehrere Netze umgesetzt und kalibriert, um Netzverhalten realitätsnah zu simulieren und Maßnahmen sicher zu testen.
- In Rohrbach wurde eine Demand-Response-Regelung der Vorlauftemperatur entwickelt und validiert: In Pilotbetrieb/Simulationen zeigte sich eine durchschnittliche Absenkung um ca. 5 K, bei gleichzeitiger Einhaltung der Komfortanforderungen.
- Dashboards wurden als gemeinsamer „Arbeits- und Informationsraum“ für Betreiber und Endkund:innen aufgebaut, von technischen KPIs bis zu leicht verständlichen Effizienz-Anzeigen.
- Das Projekt lieferte praxisnahe Erkenntnisse, wie man heterogene Datenquellen (OPC, APIs, CSV-Exporte, manuelle Auslesung) zuverlässig integriert und harmonisiert.

Vorgehensweise: Von Daten zur Optimierung
1) Digitaler Zwilling als technisches Rückgrat
Für die Demonstrationsstandorte wurde die Netzstruktur (Leitungen, Übergabestationen, Knoten) digital erfasst und mit Messdaten verknüpft. Diese digitalen Zwillinge ermöglichen:
- Simulation von Temperatur- und hydraulischem Verhalten
- Vergleich „Soll/Ist“ zur Fehler- und Potenzialanalyse
- sichere Bewertung von Regelungs- und Optimierungsmaßnahmen vor dem Einsatz im Realbetrieb
2) Echtzeitdaten & Schnittstellen – robust statt perfekt
In der Praxis sind Netze sehr unterschiedlich, wie andere Leitsysteme, andere Datenformate, unterschiedliche Regeln für Datenzugriff. DOPPLER hat deshalb mehrere Integrationswege umgesetzt (u.a. OPC, HTTPS-APIs, CSV-Exporte, periodische Auslesung). Wichtig waren dabei Pufferung, Zeitstempel-Konsistenz, Plausibilitätsprüfungen und Signal-Harmonisierung (z.B. unterschiedliche Bezeichnungen für gleiche Messgrößen).
3) Optimierung der Vorlauftemperatur in Rohrbach
Ein Highlight war die Entwicklung einer Regelung, die laufend die niedrigstmögliche Vorlauftemperatur berechnet, die trotzdem alle Verbraucher:innen zuverlässig versorgt. Das reduziert Verteilverluste und glättet den Betrieb. In den Pilot-Tests wurde eine Absenkung um etwa 5 K erreicht, stabil, mit Sicherheitsgrenzen, Filterung gegen Messrauschen und Fallback-Strategien bei Datenlücken.
4) Optimierung auf der Erzeugungsseite
Zusätzlich wurde für die Heizzentrale Rohrbach eine vorausschauende, modellbasierte Fahrweise (Model Predictive Control) untersucht. Solche Ansätze können den Betrieb „zielorientierter“ machen (z.B. ruhiger, näher am effizienten Betriebspunkt), der Nutzen hängt aber stark von der Anlagenstruktur ab, besonders groß ist er typischerweise bei mehreren Wärmequellen oder stärkeren Flexibilitäten.

Einbindung der Endkund:innen: verständlich, freiwillig, wirksam
DOPPLER hat Endkund:innen nicht nur „mitgedacht“, sondern aktiv eingebunden, über Visualisierung, Feedback und Motivation. Eine Befragung in Güssing zeigte eine grundsätzlich hohe Bereitschaft für Flexibilität, wenn der Komfort erhalten bleibt:
- ca. 68 % signalisierten Bereitschaft zu flexiblerem Verhalten bei Raumheizung,
- ca. 58 % bei Warmwasser (hier ist Akzeptanz niedriger, wenn es spürbar einschränkt).
In Workshops wurden Gamification-Elemente getestet: Ranking/Benchmarking wurde überwiegend positiv aufgenommen, während „kollektive Nutzen“-Symbole (z.B. Baum-Metaphern) vor allem dann wirken, wenn die Geschichte dahinter klar erklärt wird (Ursache–Wirkung).
Demonstration in Österreich
Die Plattform und Methoden wurden an vier Standorten demonstriert: Güssing, Mischendorf, Japons und Rohrbach. Je nach technischer Ausgangslage wurden digitale Zwillinge, Datenanbindungen, Dashboards und Optimierungsbausteine standortspezifisch umgesetzt und validiert.
Ergebnisse & Ausblick:
DOPPLER zeigt, wie viele kleine Optimierungen im Zusammenspiel eine massive Systemverbesserung erzielen können, bei Effizienz, Klimaschutz und Kundenzufriedenheit.
Der publizierbare Endbericht (auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden: DOPPLER Endbericht (PDF – 3,6MB)
„Mit DOPPLER leisten wir Pionierarbeit in der Digitalisierung der Fernwärme, für eine nachhaltige, flexible und intelligente Wärmeversorgung der Zukunft.“
– DI(FH) Klaus Paar, Projektleiter GET
Projektkonsortium:
Das Projekt DOPPLER ist Teil von „Green Energy Lab„, einer Forschungsinitiative für nachhaltige Energielösungen im Rahmen der österreichischen Innovationsoffensive „Vorzeigeregion Energie“ des Klima- und Energiefonds.
Konsortialführer: Güssing Energy Technologies GmbH (GET)
Projektpartner:
- Arteria Technologies e.U.
- BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH
- eKUT GmbH
- Energieagentur Obersteiermark GmbH
- Güssinger Fernwärme GmbH
- Industriewissenschaftliches Institut (IWI)
- KD Nahwärme GmbH
- MEO Energy GmbH
- Ringhofer & Partner GmbH
- Scheiber Solutions GmbH
Links:
Für weitere Informationen zum Projekt „Doppler“, besuchen Sie bitte Green Energy Lab – Doppler.





