Problemstellung und Herausforderung
Biogas kann einen wichtigen Beitrag zu einer regionalen, erneuerbaren und planbaren Energieversorgung leisten. Eine zentrale Frage ist jedoch, wo ausreichend nachhaltige Biomasse verfügbar ist, ohne dabei in Konkurrenz zur Hauptfruchtproduktion zu treten. Genau hier setzt SPACE4AD an: Das Projekt untersucht, wie ungenutzte Potenziale aus Zwischenfrüchten und geeigneten Flächen mithilfe von Satellitendaten sichtbar gemacht werden können.
Im Mittelpunkt steht die Nutzung von Sentinel-2-Fernerkundungsdaten, kombiniert mit weiteren öffentlich verfügbaren Geodaten. Ziel ist es, geeignete Standorte für bestehende oder neue Biogasanlagen besser bewerten zu können. Besonders herausfordernd war dabei die Analyse von Flächen in Herbst und Winter, da Bewölkung und Verdeckung eine verlässliche Beurteilung bisher erschwerten. Zusätzlich mussten Daten aus unterschiedlichen Quellen, Bundesländern und Formaten zusammengeführt und harmonisiert werden.
Innovationsgehalt und Ziele
SPACE4AD verbindet Satellitendaten mit energieraumplanerischen Fragestellungen. Auf Basis von Sentinel-2-Daten, digitalen Katasterinformationen, Bodenkarten, Flächenwidmungen, Umweltinformationen sowie weiteren raumbezogenen Daten werden Potenzialflächen für Biomasseproduktion analysiert. Bewertet werden unter anderem Aufwuchsgeschwindigkeit, mögliche Erntezeitpunkte, Bodenqualität sowie Abstände zu Straßen, Gasleitungen und Ortschaften.
Ein besonderer Mehrwert liegt darin, dass nicht nur klassische landwirtschaftliche Flächen betrachtet werden. Auch urbane Flächen, insbesondere Dächer, werden hinsichtlich Dachform, Begrünung und Vegetationsverhalten geprüft. Damit eröffnet das Projekt neue Perspektiven für die Verbindung von Fernerkundung, regionaler Energieplanung und nachhaltiger Flächennutzung.
Das Ziel ist eine interaktive Karte für drei Modellregionen: Südburgenland, Innviertel sowie Mostviertel-Eisenwurzen. Sie zeigt, wo ausreichend Potenzial für Biogasanlagen vorhanden ist – entweder als Greenfield-Szenario für neue Anlagen oder als Erweiterungspotenzial für bestehende Standorte. Damit richtet sich SPACE4AD besonders an Biogasbetreiber, Regionalentwickler und Akteure, die Energiekonzepte auf Basis fundierter Daten erstellen möchten.
Ergebnisse und Erkenntnisse
Im Projekt wurde ein datenbasiertes Werkzeug entwickelt, das regionale Biomassepotenziale sichtbar und besser planbar macht. Die Ergebnisse sind über einen QGIS-Server öffentlich zugänglich und ermöglichen eine praxisnahe Bewertung potenzieller Biogasanlagenstandorte.
Ein wichtiger Erkenntnisgewinn lag in der Zusammenführung sehr unterschiedlicher Datenquellen. Die von der Universität Salzburg „Plus“ bereitgestellten Sentinel-2-Daten wurden mit öffentlich zugänglichen Geodaten, landwirtschaftlichen Informationen und länderspezifischen Datensätzen kombiniert. Da Flächenwidmungen, Schutzgebiete und Grundstücksgrenzen je nach Bundesland unterschiedlich vorliegen, war eine sorgfältige Harmonisierung notwendig.
Besonders deutlich wurde der Nutzen des Tools bei der Verifikation mit Praxisdaten. Angaben von Landwirtinnen und Landwirten konnten mit Grundstücksgrenzen, AMA-Anbauflächen und tatsächlichen Veränderungen auf den Feldern verglichen werden. Dadurch wurde sichtbar, wie dynamisch landwirtschaftliche Nutzung ist und wie wertvoll aktuelle Fernerkundungsdaten für die regionale Energieplanung sein können.
„Die Möglichkeiten von Fernerkundungsdaten sind gewaltig. SPACE4AD zeigt, wie aus großen Datenmengen ein konkretes Werkzeug für nachhaltige Energieplanung entstehen kann“, sagt Harald Trinkl, Projektleiter bei Güssing Energy Technologies.
Ein besonderes Highlight war die enge Zusammenarbeit der Projektpartner. Durch die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven konnten Herausforderungen rasch gelöst und die Ergebnisse in Vorträgen und Webinaren vorgestellt werden. Das positive Feedback zeigte, dass mit SPACE4AD ein praxisnahes und zukunftsorientiertes Werkzeug entstanden ist.
Projektkoordinator und Partner
Das Projekt wurde von der Güssing Energy Technologies GmbH geleitet und im Rahmen des ASAP-Programms der FFG, dem Austrian Space Applications Programme, durchgeführt.
Projektpartner waren die PLUS – Universität Salzburg, Grün statt Grau sowie der Kompost & Biogas Verband. Die Universität Salzburg stellte zentrale Sentinel-2-Daten und Fernerkundungskompetenz bereit. Grün statt Grau brachte Know-how zu urbanen Flächen und Gebäudebegrünung ein. Der Kompost & Biogas Verband unterstützte insbesondere bei Fragen zu Fruchtfolge, Biomassepotenzial und Energieertrag für eine mögliche österreichweite Umsetzung.
Die Projektleitung lag bei Harald Trinkl.
Weiterführende Links
Die interaktive Karte ist unter https://gis.get.ac.at abrufbar.



